Mizar und das Reiterlein

Autor: Ulrich Beilfuß                     

Heute geht es um ein ungewöhnliches Sternenpärchen. Wir finden es beim Großen Wagen, und zwar im Knick der Wagendeichsel. Dort leuchtet gut erkennbar der Stern mit dem arabischen Namen Mizar. Sehr nahe bei Mizar steht ein zweiter, aber viel schwächerer Fixstern: Alkor. Um ihn zu erfassen, wird eine gute Augenempfindlichkeit benötigt. Der Volksmund gab ihm deshalb den Namen „Augenprüfer“. In einem Fernglas lässt Alkor sich aber leicht erkennen. – Der Stern wird auch „Reiterlein“ genannt, weil er seinem helleren Nachbarn scheinbar auf der Pelle hockt.

Mizar und Alkor sind 0,3 Lichtjahre oder knapp drei Billionen Kilometer voneinander entfernt. Es wird vermutet, dass beide Sterne auch gravitativ aneinander gebunden sind und einander umkreisen, dass sie also ein Doppelsternsystem bilden. Eindeutig nachgewiesen ist das aber noch nicht.

Dagegen steht fest, dass Mizar, also der helle Stern, einen Partner hat, der ihm viel näher steht als Alkor. Mit bloßen Augen sehen wir deshalb dieses Sternenpaar nur als einen einzigen Stern. Doch schon mit einem kleinen Fernrohr lässt sich das Pärchen optisch trennen.

Jetzt wird es noch verwirrender: Spektroskopische Untersuchungen zeigen, dass auch jede dieser beiden Mizarkomponenten selber einen Partner hat. Und damit nicht genug: Vor wenigen Jahren wurde entdeckt, dass auch Alkor, der Augenprüfer, ein Doppelstern ist.

Das Sternsystem im Knick der Wagendeichsel besteht also wahrscheinlich aus sechs Sonnen, die dort einander umkreisen. Neueste Untersuchungen weisen sogar darauf hin, dass sich in diesem Sternengeflecht noch zwei weitere Familienmitglieder tummeln könnten…